Anatomie der Haie

Geruchsinn

Seitlich vorne an der Schnauze liegen die Geruchsorgane des Hais. Wegen seiner Wichtigkeit kann das Riechzentrum 2/3 der Gehirnmasse ausmachen. So können Haie Blut in milliardenfacher Verdünnung im Wasser wahrnehmen und der Hai kann seine Beute schon aus einer Entfernung von über hundert Metern wittern, auch wenn kein anderer Sinnesreiz Informationen liefert. Durch ständige Kopfbewegungen ("Pendeln") folgt er dieser Geruchsspur bis zum Ziel, selbst ein blinder Hai findet zielsicher sein Futter. Denn sogenannte Schneiderschen Falten kanalisieren das einströmende Wasser so, dass die Nasengruben ständig vom Wasser umspült sind. Eine Nasengrube ist nochmals durch eine Membran in zwei Abschnitte unterteilt, eine für einströmendes und eine für ausströmendes Wasser. Die rezeptive Fläche wird vergrössert durch die innere Oberfläche, die gefaltet ist. So riechen Haie nur einen Tropfen Blut schon in 10 000 m3 Wasser.

Gehörsinn 

Der Gehörsinn der Haie hat eine Reichweite von mehreren Kilometern, obwohl ihr Gehörsinn nicht ganz so ausgeprägt wie bei Landtieren ist, denn Wasser leitet den Schall schneller als Luft. An den beiden Seiten des Gehirnschädels sitzen die Ohren des Hais, jedoch ist von aussen nur eine kleine Pore sichtbar. Auch für den Gleichgewichts- und Orientierungssinn ist das Gehör wichtig. Haie reagieren auf niederfrequente Töne im Bereich von unter 600 Hertz, die zum Beispiel zappelnde Fische, singende Wale, grunzende Seehunde oder kämpfende Fische auslösen, und empfindlich auf pulsierende Schwingungen im 100 Hertz - Bereich, die zum Beispiel von kranken oder verwundeten Tieren verursacht werden.

Geschmackssinn

Im Gaumenbereich des Hais befinden sich die Geschmackssknospen, mit denen der Hai während des Fressens entscheidet , ob eine Beute für ihn geniessbar ist oder nicht. Zum Beispiel sondert die Moses - Seezunge ein Sekret ab, das den Giftstoff Pardaxin enthält und so wird sie für den Hai ungeniessbar. Der Hai hat dann schnell gelernt und wird diese Tiere fortan nicht mehr als Beute ansehen. Geschmacksknospen sind aber auch über die ganze Haut des Hais verteilt, sodass ein Anstupsen oder Reiben an der Beute zu einer Vorverkostung wird. So kann es passieren, dass ein Hai das ihm unbekannte Menschenfleisch bei einem Angriff postwendend wieder ausspuckt.

Sehsinn

In der Dämmerung können Haie sogar besser als Katzen, Wölfe oder Füchse sehen, was an der Anzahl der Stäbchen liegt, die für das Schwarz - Weiss - Sehen zuständig sind und die Sehfähigkeit bei schlechten Lichtverhältnissen erhöht. Ausserdem wird durch das Tapetum lucidum die Anpassung an das Dämmerungslicht erhöht, welche so funktioniert wie ein Lichtverstärker durch eine winzige Schicht winziger, spiegelähnlicher Kristalle und hinter der Netzhaut liegt und so das durch die Netzhaut gelangte Licht wieder zurück an die Rezeptoren sendet. Bei Angriffen schützen Haie ihre Augen mit einer Nickhaut, die sich als drittes Augenlid vor das Auge schiebt oder durch das Verdrehen der Augen nach hinten. Dadurch wirken manche Haie beim Angriff auch kurzfristig orientierungslos und haben den Ruf als Allesfresser, da sie dadurch auch schonmal in den Bootsrumpf beissen. Doch im Zeitpunkt des Angriffs sieht der Hai kurzfristig nichts durch den Selbstschutz der Augen. Die Augen sind zehn Mal so lichtempfindlich wie die der Menschen, was natürlich wichtig ist, um in der Tiefe sehen zu können und die meisten Haie besitzen ein Farbsehvermögen. Sie können 10 bis 100 Meter weit sehen und durch ihre an der Kopfseite befindlichen Augen können sie in alle Richtungen schauen.

Seitenlinienorgan

Von der Kopfregion bis zur Schwanzspitze verläuft das Seitenlinienorgan der Haie, welches, wie bei allen Fischarten dazu dient, kleinste Schwingungen und Druckunterschiede im Wasser festzustellen. Es besteht aus in Gallerte eingebettete Sinneszellen, die darauf spezialisiert sind, Wasserbewegungen und somit Druckunterschiede (durch Beutetiere, Gegner oder Hinderniss) entlang ihrer Körperfläche zu registrieren, jedoch kann der Hai lediglich Wasserbewegungen in unmittelbarer Umgebung wahrnehmen.

Elektrische Sensoren

Kein Lebewesen kann dem Hai entkommen, da jeder durch seinen Herzschlag, Muskelbewegungen oder sein Gehirn elektrische Felder produziert, die der Hai durch die Lorenzinischen Ampullen, die sich an seinem Kopf befinden, wahrnehmen kann. Von aussen im Schnauzenbereich gut sichtbare Poren münden in einen Kanal im Inneren der haut, der in einer hochempfindlichen Zelle (=Ampulle) endet. Dort werden dann die im Wasser befindlichen elektrischen Ströme gemessen. Beutetiere produzieren nur sehr schwache Impulse, weshalb die Sensoren der Haie nur in einem Bereich von etwa 10 Zentimetern funktionieren, doch gegenüber dem Magnetfeld der Erde sind Haie ebenso empfindlich, welches sie zum Navigieren nutzen und können so auch nach Abwesenheit in eine bestimmte Region wieder zurückkehren.

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