Der Weisse Hai

Teil 1

Der grosse Weisse Hai (Carcharodon carcharias) ist wohl der berühmteste und berüchtigste Vertreter der Makrelenhaie. Er geniesst von allen Haien den übelsten Ruf, er würde den Menschen scheinbar ohne Provokation angreifen und töten. Er gilt als blutdürstige Riesenbestie mit einem gewaltigen Kiefer und furcherregenden Zähnen, lange spitze und gezackte Dolche, die sich hervorragend dazu eignen, grosse Fleischstücke aus den Opfern zu reissen. Er wird als "Tötungsmaschine" bezeichnet, der ziellos auf der Suche nach Opfern und Beute umherschwimmt. Geschichten über seine Gefrässigkeit sind teilweise noch nicht einmal übertrieben, denn man fand schon einen ausgewachsenen Seelöwen im Magen eines drei Meter langen Hais, ein anderer jugendlicher Weisshai enthielt einen ausgewachsenen Mann. Bei solchen Geschichten kann man sich vorstellen, was wohl ein sechs Meter langes Exemplar verschlingen kann.

Doch allen Geschichten zum Trotz, die diesen "Menschenfresser" umgeben, gehen nur relativ wenige Haiattacken wirklich auf sein Konto und die wenigsten verliefen tödlich. In den letzten 30 Jahren hat es vor der kalifornischen Küste, wo der Weisse Hai vermehrt vorkommt, nur vier Todesfälle gegeben. Viele Menschen, die von einem Weissen Hai attackiert wurden, berichteten, dass sie nur einmal gebissen wurden und der hat dann abgedreht hat. Viele Mutmassungen drehen die Runde, vielleicht wollte er sich nur verteidigen oder seine Augen täuschen ihn, sodass er glaubt, der Schwimmer oder Surfer sei eine Robbe und beim sogenannten Testbiss merkt der Hai, dass dem nicht so ist. Denn Menschen gehören nicht zu seiner Lieblingsnahrung, da das Fleisch nicht fett genug ist, wie das bei Robben der Fall ist. Zweifelsohne kann der Weisse Hai, wenn er es darauf abgesehen hätte, mit seinem Kiefer einen Menschen töten.


Weisse Hai werden etwa fünf bis sechs Meter lang, wahrscheinlich gibt es auch einige wenige Exemplare, die über sechs Meter lang werden, doch Geschichten über zwölf Meter lange Ungetüme sind vermutlich reine Phantasie. Er wiegt meistens ungefähr 1500 Kilogramm. Der grösste bisher gefangene Weisse Hai wies eine Länge von 6,40 Metern auf und wog über 3200 Kilogramm. Die Lebenserwartung ist unbekannt, jedoch vermutet man, dass er so alt wie ein Mensch werden kann.
Auch werden viele Angriffe, die in tropischen Gewässern stattfinden, auf das Konto des Weissen Hai gutgeschrieben, obwohl er in diesen Gewässern eher selten vorkommt, da er bekanntlich ein Hochseejäger ist. Die Angriffe werden höchstwahrscheinlich von seinen aggressiven Tropenbewohnern, wie z.B. etwa den Riffhaien, durchgeführt und ihm irrtümlicherweise die Schuld gegeben.

Trotz seines schlechten Rufes geht er Begegnungen mit dem Menschen gerne aus dem Weg, jedoch ist er nicht besonders wählerisch bei der Nahrungssuche, wie die meisten Hochseejäger auch, denn das Nahrungsangebot ist in den öden Weiten des Ozeans nicht immer üppig. Er schreckt auch vor grösseren Tieren, wie Robben und Schildkröten oder andere Haie nicht zurück, wenn es darum geht, etwas Geniessbares zu finden.


Teil 2

Den Namen verdankt der Hai seiner weissen Färbung des Bauches, der sich so extrem von der blauen bis grau - bräunlichen Rückenfarbe absetzt. Sein Körper ist perfekt hydrodynamisch geformt und viele Hersteller von Flugzeugen, Renn- und Segelbooten bedienen sich seit Jahrzehnten dieser Technologie. Seine Augen sind verhältnismässig gross und werden beim Zubeissen tief in die Augenhöhle zurückgezogen und nicht, wie bei anderen Haien, von der sich über die Augen ziehende Nickhaut geschützt. Die Nase ist ebenso gut entwickelt wie die Augen, denn sie besitzen die sogenannten "Lorenzinischen Ampullen", welches mehrere mit gallerartiger Masse gefüllte Körperöffnungen sind, die das Orten und Lokalisieren der Beute durch elektromagnetische Felder ermöglichen.

Der Beissdruck des Kiefers kann bis zu drei Tonnen pro Quadratzentimeter betragen. Der Weisse Hai ist kein kompletter Kaltblüter, sie besitzen ein spezielles Netz von Blutgefässen, die Rete mirabile. Dieses Netz ermöglicht es den Haien ihre Körpertemperatur im Schnitt 10 bis 15 Grad Celsius über der Wassertemperatur zu halten. Dadurch ist es ihnen möglich auch in kalten Gewässern zu jagen und extrem zu beschleunigen, was bei der Jagd auf Robben und kleinere Wale wichtig ist.

Der Weisse Hai ist zwar der grösste Raubfisch der Meere, ist aber nicht das grösste Raubtier der Meere, welches der Schwertwal ist und somit auch einer der natürlichen Feinde des Weissen Hais. Es kommt zwar nicht häufig vor, das ein Weisser Hai von einem Schwertwal getötet wird, wurde aber dennoch schon beobachtet. Er greift mit grosser Geschwindigkeit aus der Tiefe an und beisst einmal zu, um sein Opfer so zu verletzen, dass es verblutet. So schützt er sich sich selbst im Todeskampf mit der Beute und vermeidet unnötige Verausgabung werden des Jagens. Um den Fettgehalt der Beute zu analysieren setzt er den Gaumenbiss, einen Testbiss, um beurteilen zu können, ob sich die Energie eines weiteren Angriffs lohnt. Ist dies nicht der fall, wie zum Beispiel beim Angriff auf einen Menschen, bleibt es bei dem Testbiss, der jedoch dem Opfer schon grosse Verletzungen zufügt.


Durch Gruselschocker in den 70er und 80er Jahren wurde dem Menschen die übertriebene Angst auf den Weissen Hai eingeflösst, was dazu geführt hat, dass der Grossteil dieser faszinierenden Haiart getötet und ausgelöscht wurde. Auch werden in den Nachrichten oft Haimeldungen übertrieben, welche die Angst weiter schüren, sodass die tatsächliche Bedrohung durch die Haie oft falsch eingschätzt wird. Jährlich sterben viel mehr Haie durch Menschenhand als umgekehrt.
Vorkommen des Weissen Hais sind in gemässigten, tropischen und suptropischen Gewässern, letztere jedoch nur im Winter. Jagdgebiete sind die Küsten von Südafrika, Kalifornien, Australien und Neuseeland. Er bevorzugt die Küstennähe bis hin zu Tiefen von 1000 Metern.

Einen Weissen Hai in Gefangenschaft gibt es weltweit nicht, da diese Tiere in Gefangeschaft unter erheblichen Orientierungsverlust leiden und so oft gegen die Aquariumwände schwimmen und dadurch irgendwann die Nahrungsaufnahme verweigern. Bis zum Herbst 2004 lag das Maximum bei 16 Tagen bis der Hai starb. Im September 2004 gelang es dann einem Forscherteam den zuvor gefangenen Hai 198 Tage zu halten. Die Haidame war der Zuschauermagnet und half so, das schlechte Image etwas aufzubessern. Am 31. März 2005 wurde die Hai - Dame dann mit einem Sender versehen wieder der Freiheit überlassen, doch schon am 30. April 2005 verlor man leider den Kontakt mit ihr.

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